
Der Wehrturm des Landesherren gab dem Kirch- und Marktort seinen Namen: „Flensaaburgh“. 1284 mit dem Stadtrecht ausgestattet, gediehen Handel und Seefahrt prächtig, und um 1600 zählte Flensburg zu den bedeutendsten Ostseehandelsstädten im dänischen Gesamtstaat und hatte mehr Handelsschiffe als Kopenhagen.
Die Flensburger Kaufleute tätigten ihre Geschäfte, das Kunsthandwerk gedieh, die Kirchen füllten sich mit Kleinodien wohltätiger Mäzene. Der Reichtum in der Stadt war so prächtig, dass der Rat Anti-Luxus-Gesetze erließ...
Im „Jahrhundert der Kriege“ zwischen 1627 und 1721 büßte Flensburg seine wirtschaftliche Vormachtstellung an Kopenhagen ein und erwachte erst durch die Grönlandfahrt mit dem Wal- und Robbenfang, den Weinhandel mit Bordeaux und seit 1755 mit der Karibik-Fahrt zu den dänischen Antillen-Inseln St. Thomas, St. John und St. Croix zu neuer Blüte. An der Schiffbrücke stapelten sich die begehrten „Kolonialwaren“, wie Mahagoni, Tabak, Zucker, Kaffee und eicherne Pure-Rumfässer, und in der „Neustadt“ entstand ein Zentrum der neuen Maschinenzeit: Dampfkessel, Metallgießereien und Großfabriken, Gas- und Wasserwerk sowie die Eisenschiff-Werft der „Flensburger Schiffbau-Gesellschaft“. Über die Förde zogen Ausflugdampfer und durch den Himmel der Zeppelin „Hansa“ mit dem Flensburger Luftschiffkapitän Dr. Hugo Eckener als Pilot (1912).
Das deutsch-dänische Verhältnis wurde durch die nationale Volksabstimmung 1920 grundsätzlich geklärt, und seither verläuft wenige Kilometer von Flensburg die Grenze. Nördlich davon verblieb eine deutsche, südlich eine dänische Minderheit, weshalb Flensburg auch als „südlichste Stadt Skandinaviens“ erscheint.
Am Ende des 2. Weltkrieges, im Mai 1945, wurde die Stadt für wenige Tage Sitz der letzten Reichsregierung unter Dönitz und Fluchtort zahlreicher Kriegsverbrecher.
Über 40.000 Versprengte, Flüchtlinge und Vertriebene wurden in die Fördestadt integriert und machten Flensburg in kürzester Zeit zur Großstadt mit über 100.000 Einwohnern, in der zur Zeit des „Wirtschaftswunders“ um 1960 die Arbeitslosenrate nur noch zwei Prozent betrug!
Heute zeigt sich Flensburg mit seinen 85.000 Einwohnern als Gewerbe- und Dienstleistungsmetropole der deutsch-dänischen EU-Region Schleswig/Sønderjylland. Schiffbau, Telekommunikation, Kühltechnik, Pharmazeutika, Versandhandel und ein aufstrebender Hochschulcampus mit Universität und FH dokumentieren die Zukunftsorientierung der Stadt. Gleichzeitig aber erinnert jeder Bummel durch die malerische Altstadt mit ihren lauschigen Höfen und am Hafen entlang an das "wellenbewegte" Leben von 30 Generationen tatkräftig schaffender Flensburgerinnen und Flensburger.
